Die Ursachen von chronischem Stress und Strategien zur Stressbewältigung - Teil 1

Wenn Sie zunehmend mehr im Stress sind, ist es an der Zeit, sich wieder ausreichend Erholung und Entspannung zu gönnen. Im ersten Teil dieser Artikelserie erläutere ich Ihnen die Ursachen und Symptome von chronischem Stress. Im zweiten Teil beschreibe ich Methoden und Strategien zur Stressbewältigung.

Was ist Stress?

Das Wort „Stress“  stammt aus dem Englischen und bedeutet soviel wie „Druck, Anspannung“. Bis in das 19. Jahrhundert wurde das Wort Stress nur in der Physik und Technik verwendet und bezeichnete den Druck oder die Zugkraft, der oder die auf ein Material wirkt. Erst ab den 1940er Jahren nimmt der Begriff Einzug in die Medizin und Psychologie und bezeichnet dort die körperlichen und psychischen Reaktionen auf Anforderungen oder Belastungen.

Stress ist also erst einmal die Reaktion von Körper und Psyche auf Anforderungen oder Belastungen. Beispiele dafür sind:

  • Unter Zeitdruck die Wohnung putzen
  • Mit dem Auto zur Hauptverkehrszeit durch die Innenstadt fahren
  • Einen Vortrag vor Publikum halten

Kurzfristiger und chronischer Stress

Kurzfristiger Stress wie in obigen Beispielen ist ganz normal und notwendig, um in herausfordernden Situationen körperlich und mental leistungsfähig zu sein. Der Körper wird für eine gewisse Zeit aktiviert, um eine Aufgabe zu meistern, danach geht er in den Ruhemodus und es tritt eine Erholungsphase ein. So wird die Stressbewältigung durch eine ausreichend lange Ruhezeit sichergestellt.
Kritisch wird es erst, wenn der Stress chronisch wird. Beim chronischen Stress ist der Körper dauerhaft aktiviert, d.h. im Leistungsmodus und hat nicht genügend Zeit zur Regeneration.

Was sind die Symptome bei chronischem Stress?

Leistung oder Verdauung

Unser autonomes Nervensystem steuert alle unbewussten Körperfunktionen wie Herzschlag,  Atmung und  Verdauung. Seine zwei wichtigsten Teile sind der Sympathikus und der Parasympathikus. Sind wir im Stress, so ist der Sympatikus aktiviert. In ruhigen, ausgeglichenen Phasen übernimmt der Parasympathikus die Leitung.

Der Sympathikus ist für Situationen zuständig, in denen wir herausfordernde Situationen meistern müssen, weshalb man ihn auch als „Leistungsnerv“ bezeichnen kann. Er wird bei Stress oder Gefahr aktiviert. Ist er aktiv so

  • Steigt die Herzfrequenz
  • Beschleunigt sich die Atmung, damit die Muskeln mehr Sauerstoff bekommen
  • Wird die Verdauung gehemmt

Der Parasympathikus ist dagegen für Ruhe und Aufbau zuständig, weshalb man ihn auch als „Ruhenerv“ bezeichnen kann. Er wird aktiviert, wenn wir in Phasen der Ruhe und Erholung sind. Ist er aktiv, so

  • Sinkt die Herzfrequenz
  • Ist die Atmung ruhig
  • Wird die Verdauung angeregt

Wenn Sympathikus und Parasympathikus nicht mehr in Harmonie sind

Bei chronischem Stress ist der Sympathikus (unser Leistungsnerv) viel häufiger und stärker aktiviert als der Parasympathikus (unser Ruhenerv). Beide arbeiten nicht mehr harmonisch zusammen, woraus sich auf die Dauer folgende Symptome ergeben können:

Körperlich:

  • Muskelverspannungen
  • Kurzatmigkeit
  • Schlafstörungen
  • Chronische Kopf- und Rückenschmerzen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Erschöpfung bis zum Burnout
  • Leistungsabfall und Infektanfälligkeit

Psychisch:

  • Innere Unruhe
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Reizbarkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Die Angst, seine Aufgaben nicht zu schaffen

Was sind die Ursachen von chronischem Stress?

Chronischer Stress entsteht, wenn der Körper dauerhaft einer zu hohen Belastung ausgesetzt ist, von der er sich nicht ausreichend erholen kann. Solche Belastungen können körperlicher oder psychischer Natur sein. Man nennt sie auch Stressoren. 

Berufliche Stressoren

Bei solchen Stressoren ist es die berufliche Situation, die den Stress auslöst. Beispiele dafür sind:

  • Zu lange Arbeitszeiten oder ständige Erreichbarkeit
  • Zu viele Aufgaben und zu wenig Zeit zu deren Erledigung
  • Angst seinen Arbeitsplatz zu verlieren, wenn man nicht genug Leistung bringt
  • Konflikte mit Vorgesetzten oder Kollegen

Private Stressoren

Private Stressoren können aus der familiären oder finanziellen Situation oder dem Freundschaftskreis entstehen. Beispiele sind:

  • Starke Belastung durch Haushalt, Kindererziehung und Teilzeitarbeit
  • Finanzielle Probleme oder Zukunftsängste
  • Lebenskrisen wie z.B. der Tod eines geliebten Menschen

Psychische Stressoren

Psychische Stressoren entstehen aufgrund der eigenen Persönlichkeit. Wie wir über eine Situation denken, hat einen großen Anteil daran, ob sie in uns Stress auslöst oder nicht. Dabei spielen innere Überzeugungen und Werte eine große Rolle. Diese können völlig unbewusst für uns sein. Was unsere Überzeugungen und Werte sind, hängt von der individuellen Persönlichkeit ab. Beispiele dafür sind:

  • Perfektionismus: „Ich darf keine Fehler machen.“
  • Starker innerer Kritiker: „Was habe ich da denn wieder gemacht?“, „Immer passiert mir das.“
  • Kontrollzwang: „Ich muss alles im Blick haben.“, „Wer weiß was passiert, wenn ich die anderen nicht beaufsichtige.“
  • Überhöhtes Harmoniebedürfnis / Fehlende Abgrenzung: Eine solche Persönlichkeit will es immer allen anderen recht machen, hat Angst vor Konflikten und kann nicht „Nein“ sagen. Ihre Überzeugungen können sein: „Ich möchte keinen Ärger.“, „Alle sollen zufrieden sein.“
  • Sorgen-Machen: Hier denkt die Person ständig über das nach, was in der Vergangenheit schiefgelaufen ist, was im Moment schief läuft und was in Zukunft noch schieflaufen könnte: „So etwas wie damals darf mir nicht wieder passieren.“, „Wer weiß, was noch alles kommt.“
     

Im zweiten Teil beschreibe ich Methoden und Strategien zur Stressbewältigung: 

Die Ursachen von chronischem Stress und Strategien zur Stressbewältigung - Teil 2

Gerne unterstütze ich Sie bei der Stressbewältigung. Dabei gehe ich individuell auf Ihre Situation und Persönlichkeit ein. Gemeinsam ermitteln wir stressauslösende Situationen und Verhaltensweisen und erarbeiten Schritte um diese zu ändern. 

Christian Kaiser, Heilpraktiker

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